Das Ihme-Zentrum – traurige Bilanz für eine einstige Vorzeige-Immobilie

Im Jahr 1974 als „Stadt in der Stadt“ konzipiert und städtebauliches Vorzeigeobjekt erbaut, erlebt das Ihme-Zentrum seit mehreren Investorenwechseln nicht nur einen baulichen Niedergang, sondern wird aktuell erneut verkauft – an die Civitas Property Group.


Die Historie
Seit 1995 ziehen sich die großen Ankermieter (Allkauf, Saturn Hansa) zurück; 1999 steht bereits die Hälfte der Geschäfte leer. Revitalisierungsversuche der Stadtwerke Hannover AG gemeinsam mit der Nord/LB scheitern letztendlich an den komplizierten Eigentumsverhältnissen. Die Hoffnungen ruhen im Jahr 2000 auf Investor Frank-Michael Engel, der den Gebäudekomplex für 70 Mio. € umbauen will. Sechs Jahre später verkauft Engel seine Anteile an den Carlyle-Fonds, der 2009 in die Insolvenz rutscht. Die Landesbank Berlin (LBB) übernimmt. Bei der Zwangsversteigerung im Jahr 2014 erhält Intown den Zuschlag für das Ihme-Zentrum.
Im Frühjahr 2016 setzt die Stadt dem neuen Investor erstmals ein Ultimatum, bis Ende des Jahres konkrete Umbaupläne vorzulegen.

Die Gegenwart
Über alle Investoren hinweg waren die unterschiedlichsten Baumaßnahmen (Sanierung der Tiefgararge, Fassadenarbeiten, Sanierung und/ oder Begrünung der ehemaligen Ladentraversalen) angekündigt worden, Bauanträge wurden gestellt und genehmigt, aber außer kleineren Sanierungsmaßnahmen wurde nichts realisiert.

„Neben dem fortschreitenden Wertverlust für diese Immobilie und dem katastrophalen baulichen Zustand“, so der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Ratsfraktion, Jens-Michael Emmelmann, „muss sich die Stadtspitze als größter Mieter fragen lassen, was sie getan hat, um dieses Desaster zu stoppen und weitere Alibi-Sanierungen zu verhindern. Meiner Meinung nach hätte sie deutlich entschiedener und selbstbewusster auftreten müssen, damit sich der Investor genötigt gefühlt hätte, konkrete Maßnahmen zu ergreifen“.

Er erinnert daran, dass erst mit Investor Dayan, die Politik involviert gewesen sei: „Wir haben eigenartige Auftritte dieses Herren im Rat erlebt. Er verbreitete tröpfchenweise Optimismus, stellte interessierte Handelsketten und umfangreiche Sanierungsoptionen in Aussicht. Seine Darstellungen warfen allerdings mehr Fragen auf, als dass sie Lösungswege aufzeigten. Letztendlich scheint es, er habe auf Zeit gesetzt, um die enorme Hausse am Immobilienmarkt zu nutzen und einen gigantischen Kaufpreis zu erzielen.“

Die Zukunft?
„Den Forderungen der CDU, Baumaßnahmen, Sanierungen und Renovierungen zu fordern, sich hinsichtlich deren Realisierung zusammenzusetzen und Ziele sowie Zeitfenster zu erarbeiten, die im schlimmsten Fall ein Sonderkündigungsrecht rechtfertigen, ist die Stadt ja mittlerweile gefolgt. In der letzten Vertragsverlängerung behält sie sich diverse Optionen vor, an die eben ein solches Sonderkündigungsrecht und sogar eine Vertragsstrafe geknüpft sind“, fasst Emmelmann zusammen.

„Fraglich ist nur, ob der neue Investor 1:1 in den Vertrag eintritt. Außerdem muss der Stadtspitze klar sein, dass jedem Investor, der dieses Objekt erwirbt, die Zeit zuspielt, wenn keine konkreten Forderungen erhoben und durchgesetzt werden. Daher sollten schleunigst Aussagen des Investors, welche Baumaßnahmen in welchem Zeitraum realisiert werden, eingeholt werden“, so Emmelmann abschließend.

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